Referenzen

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 "the Rocket" von Daniel Geibel

 

 

 

Krieg ist ein vertrautes Sujet innerhalb der Kunstgeschichte. Früher war es das große Thema der Historienmaler, und es stand für sie an der Spitze der Hierarchie künstlerischer Motive. Heute ist das nicht mehr so. Nicht nur hat sich die Malerei weit vom Gegenständlichen entfernt, sondern auch der Krieg selbst wird nicht mehr als gegenständliches Phänomen verstanden. Doch Achtung: Auftritt eines scheinbar einfachen, üppigen gestalteten Acryl- und Luftpinsel-Gemäldes von Daniel Geibel. Tief hinein in einen blau irisierenden Himmel schießt eine Rakete. Sie ist umgeben vom goldenen Flammenschweif der Geschwindigkeit, so schnell, dass dieser an seinem Ende ins Grün changiert. Das Schachbrettmuster vorne vermittelt den Flair und den fröhlich, wetteifernden Thrill von Autorennen. Krieg ist Spaß! Doch halt – wohin fliegt das Projektil? Man drehe die Leinwand und es ist eine Attacke, dann drehe man in die andere Richtung, und das Ding schießt auf uns herab. Und was hat es mit dem kleinen roten Kreuz auf sich, das sich verschmiert wie ein nachträglicher Einfall in einer Ecke befindet? Ist der Frieden vielleicht schon unterwegs? Ach, unwahrscheinlich ist das. Dieses Kreuz, hingemalt mit ein paar roten Strichen, sieht aus wie der Abdruck blutiger Finger, viel zu armselig, um gegen diese glühende und glitzernde Rakete irgendwelche Wirkung zu zeigen. Es scheint, als müsse Krieg Spaß sein. Es muss wohl so sein.

— Lori Waxman, 6. Juni 2012, 17.18 Uhr

 

War is a familiar subject in art history. Once it was the great subject of history painters, at the very top of the hierarchy of art subjects. Today it is not so. Not only has painting veered far from the representational, war has veered far from the representational itself. Enter a seemingly simple, exuberant acrylic-and-air-brush picture of a missile by Daniel Geibel. Zooming against an iridescent blue sky, the rocket blasts with golden flashes of speed, so fast they shade to green at its fluted tail. A checkered detail gives flair and the festive, competitive thrill of a race-car rally. War is fun! But wait—which way is the projectile flying? Turn the canvas one way and the attack is on. Turn it the other way, and the attack is coming. And what of that small red cross, daubed like an afterthought in the corner? Could peace be on the way? This seems unlikely, alas. A cross painted with a few slashes of red looks like the mark of bloody fingers, too pathetic to be of any use against a glowing, glittery rocket. War must be fun, it seems. It must.

—Lori Waxman 6/6/12 5:18 PM

 
 

 

Zur Person

Lori Waxman +
 

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

 

 

 

 

 

 
 

 

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